„Hab Mut, steh auf!“ – was der Katholikentag heute zu bieten hat.

„Unter diesem Motto haben sich vom 13. bis 17. Mai 2026 etwa 75.000 Menschen in Würzburg getroffen, um gemeinsam den Glauben zu feiern und sich über die Kirche sowie aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen auszutauschen.“ Die Studierenden Julian Pfister, Cora Wirs und Daniel Thielges erzählen uns, was sie in Würzburg erlebt haben, was sie bewegt hat und warum der Katholikentag als Veranstaltungsformat heute noch relevant ist.

Auf dem Bild steht in pinken Lettern: Hab Mut, steh auf! Im Hintergrund ist der Würzburger Dom zu sehen.

Im Mai 2026 fand  der 104. Katholikentag in Würzburg statt. Ein Veranstaltungsformat, auf dem sich seit jeher die Vielfalt katholischen Lebens und Glaubens zeigt. Auf der Kirchenmeile präsentieren Ordensgemeinschaften, kirchliche Verbände und Diözesen sowie politische Parteien und andere Gruppen ihre Themen und werben für ihre Anliegen. Ein guter Ort, um ins Gespräch zu kommen, beim Stand der Erzdiözese Freiburg eine Limo zu trinken oder beim Bistum Speyer einen Wein und haufenweise Werbegeschenke einzusammeln. Von jung bis alt ist für jeden was dabei. Daneben bietet der Katholikentag ein umfangreiches Programm an Workshops, Podiumsdiskussionen, spirituellen- und Gesprächsangeboten. Wer abends nicht schon reizüberflutet auf der Isomatte im angemieteten Klassenzimmer der örtlichen Schulen liegt, kann das mannigfaltige Musikangebot genießen von traditioneller Blasmusik bis hin zu Bodo Wartke oder Knallblech und den Tag mit dem Abendsegen im Kerzenschein abschließen.

 

Wie hast du den Katholikentag erlebt?

„Auf der Zugfahrt nach Würzburg am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt hatte ich ein etwas banges Gefühl. Ich hatte die Sorge, dass es mehr um gesellschaftspolitische Themen als um Gottesbegegnung und Glaube gehen würde“, erzählt Theologiestudent Julian Pfister. „Zum Glück hat sich diese Befürchtung nicht bestätigt. So durfte ich inspirierende Gottesdienste erleben und zahlreichen Menschen begegnen, die ihren Glauben authentisch leben und dadurch zum Vorbild werden. Dazu gehörten beispielsweise „Frengels & Chef“ vom Instagram-Account „diokirche_krefeld“.
Meine Aufgabe auf dem Katholikentag bestand darin, auf der Kirchenmeile am Stand des Orientierungsjahres im Südwesten mitzuarbeiten. Wir stellten das neue Konzept des Freiburger Orientierungsjahres vor, das im September starten soll. Trotz des kalten Wetters erlebte ich eine frohe und zugleich von Verantwortung geprägte Stimmung. Wir führten an unserem Stand interessante Gespräche mit Persönlichkeiten, wie Pater Clemens Blattert SJ oder Bischof Dr. Klaus Krämer.
Insgesamt hatte ich auf dem Katholikentag viele Möglichkeiten, die Vielfalt katholischen Lebens auf der Kirchenmeile kennenzulernen, mich in tiefgründigen Vorträgen über die Zukunft der Kirche inspirieren zu lassen und Gott in verschiedenen Veranstaltungen zu preisen – etwa bei „The Tabernacle“, einem Lobpreisabend mit Eucharistiefeier und Anbetung, oder bei biblischen Impulsen von Anselm Grün. Gestärkt bin ich schließlich aus Würzburg zurückgekehrt – mit neuem Mut, den Glauben an Jesus Christus zu bekennen und mich zugleich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.“- Julian Pfister

„Der Katholikentag in Würzburg bestand für mich aus fünf sehr ereignisreichen und Mut machenden Tagen. Das Motto „Hab Mut, Steh auf!“ war für mich dabei ein sehr Gelungenes. Denn wir als Menschen, unsere Kirche und die Gesellschaft brauchen Mut, gerade in unsicheren Zeiten. Dafür kann der Katholikentag eine gute Möglichkeit sein, da er eine Plattform des Austauschs bietet und die Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner eigenen Spiritualität fördert. Die Tage in Würzburg haben mir viele Denkanstöße und Impulse gegeben. Auch die Möglichkeit zur Vernetzung und das Bekanntmachen, sowie Debattieren von unterschiedlichen Themen in Kirche und Gesellschaft fand ich toll“, erzählt Daniel Thielges, Lehramtsstudent in den Fächern Deutsch und Geographie.

 

Welche Relevanz hat der Katholikentag heute noch?

„Veranstaltungen wie der Katholikentag sind wichtig, da die Teilnehmenden hier mit der Pluralität der Kirche und der Gesellschaft wie in einem Brennglas in Kontakt kommen und daraus viele Impulse und Gedanken mitnehmen können. Trotz oder gerade auch wegen sinkender Kirchenmitgliederzahlen ist dieser Austausch und die Vernetzung wichtig, damit wir eine lebendige Kirche bleiben. Aber auch für die Gesellschaft haben solche Events aus meiner Sicht einen großen Wert. Eine so niederschwellige Debattenkultur und Austausch über wichtige gesellschaftliche Themen, findet leider ansonsten selten statt. Auch hierfür können die Teilnehmenden Impulsgeber:innen sein. Das Ereignis was mir am meisten in Erinnerung blieb war so auch eine lebhafte Podiumsdiskussion zur Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres. Das eingeholte Meinungsbild am Anfang und am Ende der Veranstaltung haben eindrücklich gezeigt, wie gut geführte Debatten Meinungsbilder verändern können“, erklärt Daniel Thielges.

Theologiestudentin Cora Wirs ergänzt: „Ich denke, dass der Katholikentag zunächst für viele ein Ort sein kann, an welchem in innerkirchlichen Kreisen Vernetzung stattfinden kann. Vernetzung mit Menschen, die die eigenen Themen in Kirche und Gesellschaft teilen und die dadurch als bestärkend erfahren werden kann, aber auch Vernetzung, die über den eigenen Tellerrand hinaus inspirieren kann, sowohl in Bezug auf spirituelle und theologische als auch gesellschaftliche oder kulturelle Angebote. Dabei sehe ich einen entscheidenden Punkt gerade in der Möglichkeit und dem Potenzial der Veranstaltung, über den Tellerrand zu blicken, sich nicht nur selbst zu vergewissern, sondern über sich selbst hinauszugehen und sich auf anderes einzulassen – dies betrifft die organisierenden kirchlichen Akteure wie auch die Teilnehmenden. Sowohl bei Podien und Werkstätten als auch auf der Kirchenmeile, auf welcher sich verschiedenste kirchliche und gesellschaftliche Player vorstellen, bietet der Katholikentag die Möglichkeit, Kirche und Glauben in ihrer Vielfältigkeit zu erfahren und sich nicht nur in der eigenen Komfortzone zu bewegen, sondern sich auch auf Diskurse und damit auf eine Reflexion des eigenen Standpunkts einzulassen.“

 

Was hat dir am besten gefallen?

„Schon in den Gesprächen mit den Freunden, mit denen ich zusammen auf dem Katholikentag war, konnte ich mich bei dieser Frage nicht auf einen Aspekt oder ein Erlebnis festlegen, daher meine Antwort: Die Mischung machts. Zu einem meiner Highlights gehört ein Abend, an dem wir zunächst bei einem Taizé-Gebet waren, das von der alt-katholischen Gemeinde in Würzburg organisiert wurde, und anschließend bei zwei Konzerten auf dem Residenzplatz, mit entspannter Atmosphäre bei den Alten Bekannten und Partystimmung bei Knallblech. Eine total schöne Mischung aus Spiritualität und Kulturprogramm. Aber auch verschiedene theologische Diskussionsangebote gehören zu meinen Highlights, wie ein World-Café zum Thema Macht und Missbrauch mit besonderem Fokus auf Vulnerabilität oder ein Plenum zur Frage nach Frauen in der Weltkirche, bei welchem die Generaloberin der Apostolic Carmel Sisters Sr. Nirmalini total empowernd und inspirierend aufgetreten ist.“ – Cora Wirs

Redaktion zwoelf57.de

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