Zu Besuch bei Olga Gorfinkel und Tan Schütz im GeSek
Zahlreiche Anfragen unserer Lehrstühle, Bürobestellungen, Anträge und Arbeitsverträge gehen täglich über ihre Tische. Zeit die Menschen kennenzulernen, die im Hintergrund dafür sorgen, dass alles reibungslos läuft. Olga Gorfinkel und Tan Schütz aus dem Gemeinschaftssekretariat haben uns erzählt, was sie hierher geführt hat, was sie bei der Arbeit zum Lächeln bringt und mit welchen Anliegen wir uns an sie wenden dürfen.

- Was hat Sie in die Stelle im Gemeinschaftssekretariat der Theologie geführt und was haben Sie davor beruflich gemacht?
Tan Schütz (TS): Ich habe davor Game Studies and Engineering studiert, sowie Gender Studies und als Hiwi an der Uni gearbeitet. Hier hergeführt hat mich, dass ich in Freiburg an der Universität einen Job haben wollte und auch von meinem Partner gehört hab, dass die Theologie ne ganz coole Aufstellung hat für solche Sachen. Also hab ich mich mal beworben und es hat glücklicherweise geklappt. Ich bin froh, dass ich eine stabile Arbeitsstelle habe und im universitären Kontext arbeiten kann.
Olga Gorfinkel (OG): Ich bin von Beruf her Slavistin und habe in der Slavistik vor kurzem promoviert, aber auch ungefähr 25 Jahre gearbeitet und unterrichte immer noch, aber nicht mehr in der Slavistik, sondern in der osteuropäischen Geschichte, Russisch für Historiker*innen. Was mich hierhergeführt hat – ich wollte unbedingt weiterhin an der Uni bleiben parallel zu meiner Dissertation damals. Weil ich noch promoviert habe, als ich diese Stelle bekommen habe, brauchte ich einen stabilen Arbeitsplatz. Ich bin sehr zufrieden, dass ich hier gelandet bin. Übrigens bin ich über unsere GeSek-Kollegin Frau Oppermann hergekommen. Sie hat gesagt, dass hier Bedarf besteht, und jetzt bin ich sehr froh, dass ich hier bin, nicht nur wegen der Stabilität, sondern weil die Leute, die um mich rum sind, sehr herzlich sind und offen.
- Hatten Sie zuvor Berührungspunkte zur Theologie?
OG: Nein, gar nicht, das ist für mich absolut fachfremd und eine ganz andere Welt, die ich immer mehr kennenlerne. Wissenschaftlich habe ich vorher schon gearbeitet, aber rein administrativ nicht. Das ist für mich etwas Neues.
TS: Mein Studium Game Studies and Engineering war auch eine völlig andere Richtung. Aber ich habe ja auch Gender Studies studiert, was zumindest auch ein bisschen hier seinen Anklang gefunden hat. Ihr habt ja verschiedene Organisationen auch, zum Beispiel die QuTs (Queere Theologie Studierende).
- Was ist besonders an der Theologischen Fakultät. Inwiefern unterscheidet sich die Fakultät von anderen Arbeitsbereichen?
OG: Also, dass ich wirklich komplett mit dem Administrativen beschäftigt bin und nicht wissenschaftlich, ist für mich etwas Neues und das ist für mich eine Möglichkeit, von der Lehre und von der Diss abzuschalten, die ich noch publizieren muss. Das ist etwas ganz Anderes, was ein ganz anderes Gefühl gibt. Eine Dissertation zu schreiben, ist etwas Langfristiges und man sieht das Ergebnis nicht gleich. Im Administrativen sieht man das Ergebnis gleich und das ist ein bekannter psychologischer Effekt, dass man in diesem Bereich zufriedener ist, weil man nach Hause geht und sagt, ich hab was geschafft. Demgegenüber wenn du an der Dissertation sitzt, kannst du sagen, ich hab zwölf Seiten geschrieben – die kann ich eigentlich wegschmeißen. Damit bin ich nicht weiter in meinen Gedanken.
Und dass die Mitglieder der Fakultät alle, Mittelbau, Hiwis, Profs, so dankbar sind, dass man was geschafft, sie weitergebracht hat, das ist auch erfüllend. Es ist unglaublich wertschätzend hier.
TS: Stimmt, man merkt schon, dass da auch Wertschätzung besteht. Ich hab den Vergleich nicht direkt zu einer anderen Fakultät, sondern eher zu früheren Nebenjobs, wo man einfach sehr wenig Geld bekommt, immer genau sagen muss, wann man was gemacht hat, und sehr viel Überwachung dabei ist, nicht so ein Vertrauen, dass man die Arbeit macht, die anfällt. Das ist schon ein Unterschied hier, dass man einfach auf eine für alle Leute angenehme Art und Weise miteinander arbeiten kann.
- Was an Ihrem Arbeitsplatz bringt Sie zum Lächeln?
OG: Kuriose Fälle, die wir manchmal bearbeiten…
TS: Das auch, aber es gibt auch eine Drop-in-Culture hier. Manche Leute kommen einfach vorbei, kriegen ab und zu Kekse. Es hat so ein Bekannschaftsding, man ist irgendwie gemeinsam so ,Oh nein, wie funktioniert das überhaupt?‘, und ist nicht in dieser Bringschuld, sondern fragt: ,Wie lösen wir das gemeinsam?‘
OG: Genau, das ist auch erstaunlich, dass man nicht kommt und sagt: ‚Hier haben Sie einen Fehler gemacht. Was soll das?‛ Nein, es wird ganz anders kommuniziert, weil wir alle Menschen sind und Fehler machen. Das geben wir auch zu, aber der Umgang ist sehr respektvoll.
TS: Was mich auch noch zum Lächeln bringt, wir haben ja die Küche nebenan. Wenn da jemand reinkommt, hört man das einfach, auch wenn die Leute anfangen miteinander zu reden. Man hört nicht so direkt, was gesagt wird, aber Bruchstücke schon.
OG: Also aufpassen!
- Welche Aufgabe würden Sie am liebsten an einen Wichtel delegieren?
OG: Inventur. Von Gegenständen an Lehrstühlen.
TS: Ich hätte richtig gerne mal so nen Wichtel, der durchgeht und alle unsere Ordner aus den verschiedenen Lehrstühlen, an denen zig verschiedene Leute gearbeitet haben, sowohl analog als auch digital, alle richtig ordnet. Das würde einiges sehr viel einfacher machen.
OG: Stimme ich zu.
- Wenn meine Oma fragt, was ich eigentlich so mache, sage ich…
OG: Ich sitze immer noch an meiner Dissertation, obwohl sie denkt, dass sie schon fertig ist – ja ok, an der Publikation. Dass ich in der Theologie arbeite, aber nie Theologie studiert habe und mit dem Fach eigentlich nichts zu tun habe, aber administrativ mit sehr herzlichen, netten Menschen, die in der Theologie arbeiten, tätig bin.
TS: Ich sage auch gerne, dass ich in der Administration arbeite. Wenn ich sage Sekretariat, dann hat das irgendwie so eine gewisse Mitbetonung, die nicht immer positiv ist. Das ist eigentlich auch fragwürdig, wir sollten den Begriff zurückgewinnen, aber ich weiß nicht, ob ich schon so … bin.
Ich erkläre auch immer das mit der Theologie. Ich habe nicht so viele Leute in meiner Familie, die sich den kirchlichen Sachen zuwenden würden, und dann muss man immer erklären, was der Unterschied ist zwischen Theologie und kirchlichem Glauben und was der Unterschied ist zwischen nein, nicht wissenschaftlich, sondern administrativer Arbeit. Das ist eher ein ganzes Gespräch, auch weil dann die Frage kommt: ‚Aber du hast doch einen Master gemacht?‛ Aber ich sehe das auch so wie Olga: Das ist meine Stabilität und die Zeit, die ich außerhalb habe, möchte ich nutzen. Ich unterrichte auch weiterhin in Klagenfurt, da, wo ich meinen Master gemacht habe, und ich überlege auch weiterhin, in eine wissenschaftliche Richtung zu gehen. Aber das dauert eine Weile, bis man wirkliche Schritte hat und deswegen, ‚It´s complicated‛, ist was meine Oma am Ende von diesem Gespräch behält.
- An der Uni bringt es mir nichts, aber ich kann richtig gut….
OG: Borschtsch kochen. Eine russische oder ukrainische Rote Bete Suppe, die kann vegetarisch oder mit Fleisch sein. Das ist wie Eintopf, aber ein bisschen flüssiger – lecker!
TS: Interaktive Geschichten schreiben. Hat auch nicht viel mit der Universität zu tun. Das heißt, dass man die Geschichten nicht alleine schreibt, sondern beispielsweise in RPG-Foren sagt, hey, ich würde gerne eine Geschichte darüber schreiben, wie verschiedene Fraktionen miteinander agieren oder so was in die Richtung. Dann melden sich beispielsweise fünf Leute in diesem Forum an und erstellen verschiedene Charaktere. Dann schreibt beispielsweise eine Person ‚mein Charakter öffnet die Tür‛. Die zweite Person schreibt vielleicht, ‚mein Charakter steht vor der Tür‛. Also natürlich ausführlicher und mit mehr Emotionen und dann entwickelt sich so etwas Organisches und Dynamisches, wo man einfach nicht nur alleine eine Geschichte schreibt, sondern mit anderen etwas weiterentwickelt. Das geht in unterschiedlichen Formaten auch mit Pen and Paper oder per Mail oder eben in digitalen Foren. Die meisten Geschichten gehen zu Ende, weil die Leute das Interesse verlieren mit der Zeit und dann ist die Geschichte tot. Andere laufen aber auch über zehn Jahre.
- Was machen Sie am liebsten an einem freien Tag, an dem es draußen regnet?
OG: Ich würde lieber gutes Wetter haben, aber weil ich meine Tochter nicht so viel während der Woche habe und mich mit ihr beschäftigen kann, mache ich was mit meiner Tochter.
TS: Wenn man nichts zu tun hat an einem freien Tag, würde ich mir vorstellen, dass ich ausschlafe, in meinem Bett chille mit meiner Katze, irgendwas lese; eventuell krieg ich noch Frühstück gebracht, also einfach daheim entspannen.
- Mit welchem Anliegen sollte/kann man als Studi zu Ihnen kommen?
OG: Mit allen Anliegen. Wir sind für alle spezialisiert…
TS: … oder wir wissen es weiterzuleiten!

Redaktion zwoelf57.de
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